Schwarzer: „Trend: Nachzügler holen auf“ - WKÖ vergleicht vier renommierte Ökologie-Erhebungen über EU-Mitgliedsstaaten – Haller: „Ranking ist nicht gleich Ranking“
„Ein großer Teil des Wirtschaftswachstums in Europa kommt mit weniger Ressourcenverbrauch zustande: Die Entkoppelung zwischen Wachstum und Ressourcenverbrauch schreitet voran“, sagte Stephan Schwarzer, der Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik der Wirtschaftskammer Österreich, heute, Donnerstag, vor Medienvertretern. „Die Wirtschaft ist zwischen 1995 und 2008 um mehr als 30 Prozent gewachsen, während die Treibhausemissionen im selben Zeitraum nur um knapp acht Prozent zugenommen haben.“ Gemeinsam mit Christoph Haller, dem Nachhaltigkeitskoordinator der WKÖ, präsentierte Schwarzer heute, Donnerstag, eine Zusammenschau der Ergebnisse von vier renommierten Erhebungen in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit in Europa.
„Umweltschutz Österreichs nicht krankjammern“
Das Gesamtergebnis weist Österreich – ex aequo mit der Slowakei - auf Platz 2 aus. Den ersten Platz hat– wie bereits in den vergangenen Jahren mehrfach – Schweden inne. Platz 3 geht an Deutschland. Die Summe der vier Rankings ergibt aus Sicht von Schwarzer und Haller ein objektiviertes Bild der Umweltsituation in den einzelnen Staaten: Tatsache ist, „dass Österreich seine Lage sowie die Maßnahmen zum Umweltschutz nicht krankzujammern braucht.“
Grundlage dieses „Super-Umweltrankings“ sind die aktuellen internationalen Ökologievergleiche zweier amerikanischer Universitäten (Yale und Columbia), der Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF), der Zürcher Kantonalbank sowie ein Vergleich der WKÖ. Drei dieser Reihungen basieren auf einer Vielzahl von Indikatorenbündeln aus unterschiedlichen Umweltbereichen. Die vierte Untersuchung, jene des WWF, stützt sich auf den „ökologischen Fußabdruck“.
Österreich mit weitgehend stabiler Umweltsituation
„Die neuerlich sehr gute Platzierung Österreichs ist durch vielerlei Faktoren bedingt und durch zahlreiche gute Bewertungen in den unterschiedlichen Untersuchungsbereichen begründet. Dazu kommt: Die Umweltsituation in Österreich zeigt sich im Zeitverlauf weitgehend stabil“, analysierten die beiden Umwelt- und Wirtschaftsexperten das Ergebnis.
„Österreich verdankt es der zu einem Gutteil der Top-Performance in einigen Wertungen wie dem Anteil der erneuerbaren Energiequellen, der Energieeffizienz, dem Umweltmanagement sowie dem biologischen Landbau. Dazu kommen solide Bewertungen in den meisten anderen Disziplinen“, so Nachhaltigkeitskoordinator Haller. Schwächen bei den so genannten Distance-to target-Wertungen im Klimaschutz und bei den Stickoxidemissionen verhindern den Griff nach Platz 1, den Österreich an Schweden verlor.
Beim Vergleich der „ökologischen Fußabdrücke" schneidet Österreich –genauso wie Schweden - als Industrieland naturgemäß weniger gut ab. Hier sind weniger wohlhabende Nationen vorne zu finden. Allerdings: Verglichen mit Ländern mit ähnlichem Bruttoinlandsprodukt, ist Österreich auch da gut positioniert.
Ranking ist nicht gleich Ranking
In diesem Zusammenhang warnte Haller davor, einzelne Rankings rein nach Ergebnissen zu vergleichen: „Denn: Ranking ist nicht gleich Ranking. Es gibt sehr viele Faktoren, die ein Ranking in die eine oder andere Richtung beeinflussen können. Oft wird eine große Anzahl von unterschiedlichsten Untersuchungsparametern erhoben und ausgewertet, manchmal hängt sich ein Ergebnis singulär an einem Indikator auf. „Das ist, als ob man Äpfel mit Birnen vergleicht. Es geht vielmehr darum, zwischen den Zeilen der Rankings zu lesen.“
Trend: Nachzügler holen auf
„Nachzügler holen auf“ – mit diesen Worten brachte Schwarzer einen erfreulichen Trend aus der Ergebnis-Zusammenschau auf den Punkt: „Die neuen EU-Mitgliedstaaten – wie im konkreten Fall etwa die Slowakei - machen konstant gute Fortschritte. Dadurch verflacht das Gefälle zwischen Vorreitern und Nachzüglern insgesamt weiter.“ Das schreiben Schwarzer und Haller unter anderem der fortschreitenden Harmonisierung der Umweltpolitik auf europäischer Ebene zu.
Von der österreichischen sowie gesamteuropäischen Umweltpolitik wünscht sich die WKÖ Dreierlei: ein Nachlassen der überbordenden Reglementierungsintensität, planbare Rahmenbedingungen für Investoren sowie drittens eine kluge Absicherung des Wirtschaftsstandorts Österreich – Stichwort „Green Jobs“. Neue Arbeitsplätze entstehen nur in einem positiven Wirtschaftsklima. Ein Beispiel ist die thermische Sanierung, die sowohl für Wirtschaft und Beschäftigung als auch für die Umwelt positive Effekte bringt. Ein Drittel der Nachfrage der Umwelttechnikbranche kommt aus dem Inland. Umwelttechnikbetriebe können nicht florieren, wenn Industriebetriebe wegen überhöhter Kosten an andere Standorte ausweichen müssen. „Deshalb muss Österreich auch für die Industrie – und da auch für die energieintensiven Betriebe - ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleiben“, unterstrich Schwarzer.
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