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Bessere Nutzung des Arbeitskräftepotenzials im In- und Ausland unumgänglich

 

WKÖ präsentiert in Alpbach neues 25/25/50-Pensionsmodell sowie ein kriteriengeleitetes Zuwanderungssystem zur konkreten Umsetzung der Rot-Weiß-Card

"Wir haben eine zunehmende Überalterung unserer Gesellschaft zu bewältigen: Bereits 2020 wird es in Österreich 200.000 Menschen weniger im Alter zwischen 20 und 49 Jahren geben. Gleichzeitig werden hier um 500.000 mehr über-50-Jährige leben. Dazu kommt, dass die Menschen länger in Ausbildung und Pension sind. 1970 betrug dieser Zeitraum noch 34 Jahre, bis 2008 stieg er aber auf 48 Jahre. Gleichzeitig ist die Phase der Erwerbstätigkeit von 43 auf 35 Jahre zurückgegangen."

Betriebliches Potenzial für Lehrstellen bestmöglich erschließen

So skizzierte WKÖ-Präsident Christoph Leitl am Schlusstag der Alpbacher Reformgespräche die demografische Ausgangslage in Österreich. Um diese Herausforderung in Gegenwart und Zukunft bewältigen zu können, müsse auf mehreren Ebenen - sowohl im Inland als auch im Ausland - angesetzt werden. "In Österreich werden schon jetzt wieder vermehrt Lehrstellen angeboten, "aber wir spüren in bestimmten Branchen schon jetzt die Vorboten eines Lehrlingsmangels". Um der Jugend noch genügend weitere betriebliche Ausbildungsplätze anbieten zu können, sollen auf Bundes- und Landesebene so genannte Lehrlingsbotschafter - dabei handelt es sich um Fuktionäre der Wirtschaftskammerorganisation - dafür eingesetzt werden, das betriebliche Potenzial für Lehrstellen bestmöglich zu erschließen.

Weiters soll eine verbesserte Eingliederung sowohl von Arbeitslosen als auch von Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich u.a. durch den Einsatz von innovativen Instrumenten wie beispielsweise Potenzialanalysen eine Verstärkung der dabei identifizierten Fähigkeiten erzielt werden. Um Frauen verstärkt in Beschäftigung zu bringen, müssten etwa mehr Kinderbetreuungsplätze angeboten werden.

Anreizsystem im Bereich der Pensionen

Leitl: "Im Bereich Pensionen wiederum möchte ich ein gutes Anreizsystem, welches die Erwerbstätigen in Österreich rasch dazu motiviert, länger zu arbeiten. Damit können wir das faktische Pensionsantrittsalter von derzeit 58 Jahren in Richtung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters von 65 Jahren anheben. Ich will eine Motivation für Arbeitnehmer, ich will einen Anreiz für die Betriebe, ältere Mitarbeiter länger in Beschäftigung zu behalten, und ich möchte eine Entlastung der Pensionsversicherungsträger".

Das Anreizmodell der WKÖ für längere Erwerbstätigkeit sieht folgendermaßen aus: Hat ein Arbeitsnehmer Anspruch auf Pension (z.B. eine Frühpension) und einigt sich mit seinem Arbeitgeber auf eine Weiterführung des Dienstverhältnisses über den errechneten Pensionstermin hinaus, so erhält er 25 Prozent seines Pensionsanspruchs zusätzlich zu seinem weiterlaufenden Lohn. Gleichzeitig bekommt der Arbeitgeber 25 Prozent des Pensionsanspruchs als Lohnunterstützung. Der Pensionsversicherungsträger wiederum erspart sich 50 Prozent der Pensionszahlung. Durch dieses Modell, das relativ einfach und rasch umgesetzt werden kann, profitieren alle, es ist eine "Win-win-Win-Situation" für alle Beteiligten: Die Arbeitnehmer verdienen um ein Viertel mehr, die Arbeitgeber haben einen Anreiz, teurere ältere Mitarbeiter länger in Beschäftigung zu halten. Und die Pensionsversicherung erspart sich die Hälfte der Altersrente und bekommt weiterhin Pensionsversicherungsbeiträge einbezahlt.

Fokus verstärkt auf qualifizierte Zuwanderung

"Vorrangig muss also das Arbeitskräftepotenzial im Inland besser ausgeschöpft werden. Aber sämtliche Maßnahmen zur Aktivierung des inländischen Arbeitskräftepotenzials werden alleine nicht ausreichen. Daher muss auch die Attraktivität Österreichs für international mobile, gut ausgebildete Menschen gesteigert werden", fordert der WKÖ-Chef. "Österreich ist innerhalb der OECD Schlusslicht beim Qualifikationsniveau der Zuwanderer", führte Margit Kreuzhuber, Beauftragte für Migration und Integration in der WKÖ, aus. Daher gilt es den Fokus künftig verstärkt auf qualifizierten Zuzug zu legen. Gelingen kann das, so Leitl und Kreuzhuber, mit einem neu zu schaffenden kriteriengeleiteten Zuwanderungsmodell. Die WKÖ hat deshalb gemeinsam mit der Industriellenvereinigung und der internationalen Organisation für Migration ein detailiertes Modell ausgearbeitet, das die Bundesregierung bei der Umsetzung der Rot-Weiß-Rot-Card sofort heranziehen kann.

Punktesystem für Arbeitsmigration

Kernstück des neuen Zuwanderungsmodells ist ein flexibles, auf den Bedarf auf dem heimischen Arbeitsmarkt ausgerichtetes Punktesystem, das die Arbeitsmigration nach Österreich nach objektiven Kriterien regelt. "Damit wird ein hohes Maß an Transparenz sowohl für potenzielle Zuwanderer als auch für die Betriebe und die in Österreich lebende Bevölkerung geschaffen", so Leitl: "So lassen sich schon im Vorfeld Vorurteile und Ängste vermeiden, weil klar kommuniziert wird, welche Voraussetzungen von Zuwanderern erwartet werden."

"Über die eine Säule des Systems für Arbeitsmigration sollen Migrantinnen und Migrannten mit hoher und mittlerer Qualifikationen, nach denen am österreichischen Arbeitsmarkt dringender Bedarf besteht, zuwandern können. Eine zweite Schiene richtet sich an das international gefragte "Toplevel" an Zuwanderern und High Potentials", legte Kreuzhuber dar. "Für sie sollen besonders attraktive Rahmenbedingungen geschaffen werden, soll quasi der rote Teppich ausgerollt werden", unterstrich Leitl.

Zuzug qualifizierter Menschen steigert Wettbewerbsfähigkeit

"Mit einem solchen gut durchdachten Modell schafft Österreich eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Der verstärkte Zuzug höher qualifizierter Menschen steigert die Wettbewerbsfähigkeit unserers Landes, trägt zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen bei und sichert über ein erhöhtes Aufkommen an Steuern und Abgaben unser Sozialsystem. Gleichzeitig ist erwiesen: "Die Integration gelingt umso rascher, je höher die Qualifikation ist", zitierten Leitl und Kreuzhuber internationale Erkenntnisse.

Neben einem Zuzug qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland sollen auch verstärkt Anreize geboten werden, ausländische Universitätsabsolventen in Österreich zu halten. Und nicht zuletzt sollten auch im Ausland erworbene Qualifikationen in Österreich einfacher und besser anerkannt werden, sodass diese Fähigkeiten und Kenntnisse optimal am österreichischen Arbeitsmarkt eingesetzt werden können. (JR)

Rückfragen:
Stabsabteilung Presse
Mag. Rupert Haberson
Tel.: 05 90 900-4362
E-Mail: presse@wko.at

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