SIL in der Praxis – Teil 2 – Sicherer Einsatz in korrosiver Atmosphäre
Weidmüller

SIL in der Praxis – Teil 2 – Sicherer Einsatz in korrosiver Atmosphäre

Teil 1: Im Notfall zuverlässig abschalten Teil 2: Sicherer Einsatz in korrosiver Atmosphäre Teil 3: Brennersteuerung in Thermoprozessanlagen Sicherer Einsatz in korrosiver Atmosphäre SIL in der Praxis – Teil 2 30 Tage lang hat das Sicherheitsrelais im Weidmüller Labor erfolgreich strömenden Schadgasen widerstanden. Grund für dieses positive Ergebnis sind zusätzliche Schutzmaßnahmen für die Elektronik – ein klarer Mehrwert für Applikationen wie Offshore- oder Chemieanlagen. S  alzige Gischt sprüht beständig gegen Offshoreanlagen wie Windräder oder Ölplattformen. In der chemi- schen Industrie befinden sich in bestimmten Bereichen Spuren von Chlorgasen oder Schwefel- wasserstoff in der Luft. Atmo- sphären dieser Art sind Gift für metallische Werkstoffe, denn sie bewirken Korrosionsschäden und führen so zum frühzeitigen Verschleiß von Produkten. Das betrifft bei Weitem nicht nur Komponenten, die frei im Feld installiert sind. Auch der Schalt- schrank schützt nicht in jedem Fall vor äußeren Einflüssen. ➜ Im Detail

EN 60068-2-60 – den sogenannten 4-Komponenten- Schadgastest. Die Schadgaskonzentration wurde dem ISA-Level (Instrumentation Society of America ISA S71.04-1985), G3 angepasst und war somit wesentlich höher, als die Norm für den 4-Komponenten-Schadgastest eigentlich fordert. Auf diese Weise konnten die Umwelt- bedingungen in der Praxis sehr realis- tisch simuliert werden. „Um doppelt auf Nummer sicher zu gehen, haben wir darüber hinaus mit einer Testdau- er von 30 Tagen den höchsten in der Norm vorgegebenen Zeitwert noch überschritten“, berichtet der Leiter des Weidmüller Elektroniklabors, Wolfgang Nietzsch. „Das Sicherheitsrelais war während dieser Zeit in Betrieb. So konnten wir durch Funktionsprüfungen sicherstellen, dass der Schutzlack auf der Leiterplatte die Schadgase tatsäch- lich zuverlässig abhält. Eine Beeinträch- tigung der Funktion konnten wir zu keinem Zeitpunkt feststellen.“ Nach Abschluss der Schadgasprüfung haben abschließende mikroskopische Untersuchungen gezeigt, dass das Si- cherheitsrelais noch in einem einwand- freien Zustand war: Die Schadgase haben das Material trotz der harten Prüfbedingungen nicht angegriffen. „Wir stellen fest, dass es für unsere Kunden immer wichtiger wird, dass sie SIL-Produkte auch in korrosiven Umge- bungen einsetzen können, die mit dem Level G3 beschrieben sind“, fasst Janik aktuelle Praxisanforderungen zusam- men. „Mit unserer erfolgreichen Schad- gasprüfung erbringen wir den Nach- weis, dass unser Sicherheitsrelais sich hervorragend für genau diesen Anwen- dungsfall eignet. Das bestätigen wir durch unsere Herstellererklärung.“ Sind keine weiteren Schutzmaßnah- men, wie beispielsweise eine Druck- belüftung des Schaltschrankes, eingerichtet, dringt potenziell Luft ins Schaltschrankinnere und mit ihr korrosive Stoffe wie Säure, Salz oder Feuchtigkeit. Fit für korrosive Atmosphären „Insbesondere in Sicherheitssyste- men stellt es eine ernst zu nehmende Gefahr dar, wenn durch Korrosion die Verfügbarkeit der eingesetzten Pro- dukte reduziert wird. Schlimmstenfalls ist aufgrund der Beschädigung das geforderte Sicherheits-Integritätslevel (SIL) irgendwann nicht mehr gegeben“, weiß Joachim Janik, Produktmanager bei Weidmüller. „Um für unsere Kunden diese Gefahr zu reduzieren, haben wir unser Sicherheitsrelais der SAFESERIES nicht nur fit für den sicheren Einsatz in korrosiven Atmosphären gemacht – vor dem Feldeinsatz haben wir den Erfolg unserer Schutzmaßnahme zudem gründlich auf die Probe gestellt.“ Zur sicheren Abschirmung der Elekt- ronik im Inneren des Sicherheitsrelais tragen die Weidmüller Experten einen Schutzlack auf. Dies gelingt mittels ei- nes speziellen Sprühverfahrens. „ Tragen wir zu viel Lack auf, wird er nicht hart genug. Zu wenig Lack würde nicht den geforderten Schutz erzielen“, gibt Janik Einblicke in die besonderen Herausfor- derungen. „Die Tests in unserem Labor geben uns recht darin, dass wir mit unserem Verfahren einen optimalen Schutz erzielen.“ Einsatz in G3-Umgebung möglich Einen Monat lang hat das Weidmüller Labor das Sicherheitsrelais ohne Un- terbrechung Schadgasen ausgesetzt. Durchgeführt wurde eine Mischgas- prüfung in Anlehnung an die Norm »Die Tests in unserem Labor geben uns recht darin, dass wir mit unserem Verfahren einen optimalen Schutz erzielen.« Im Detail

Im Fokus Thomas Peter, Portfoliomanager Elektronik, zum Trend der Urbanisierung und zur Einhaltung funktionaler Sicherheit WIN! Welche globalen Trends stehen für Sie bei der Ausrichtung des Weidmüller Elektronikangebots im Vordergrund? Peter: Megatrends, die uns leiten, sind ganz klar die Urbanisierung und die damit einherge- henden Herausforderungen im Bereich Ener- gieproduktion. Die sogenannte „Landflucht“ sorgt weltweit für ein rasantes Wachstum der Großstädte, die sich zu Metropolen entwickeln. Bei dem Auf- und Ausbau eines Versorgungsangebots nahe den Metropolen sind Versorgungs- und Funktionssicherheit entscheidende Faktoren. WIN! Wie stehen Sie Ihren Kunden bei der Einhaltung funktionaler Sicherheit zur Seite? Peter: Einzelne Komponenten mögen zwar für sich genommen den gewünschten Sicherheitszweck erfüllen. Die bloße Anein- anderreihung elektronischer Bauteile führt jedoch noch lange nicht zu einer zielführen- den, verlässlichen Lösung. Vielmehr punkten aufeinander abgestimmte Komponenten, die für den spezifischen Anwendungsfall zu einer Lösung verbunden werden. Eine beispielhafte Anwendung unserer Kunden ist etwa die Überfüllsicherung an Öltanks. Unser Sicherheitsrelais bildet hier zusammen mit unserem nach SIL 3 zugelassenen Überspan- nungsschutz VARITECTOR SPC einen Sicher- heitskreis nach der Sicherheitsstufe SIL 3. Bei Anlagenfehlern ist so der Schutz für Mensch, Maschine und Umwelt vor schwerwiegenden Folgen sichergestellt WIN! Ist Weidmüller auf den wachsenden Bedarf nach Automatisierungstechnik rund um die neuen Megacitys vorberei- tet? Peter: Durch unsere hohe Praxisnähe kennen wir die Bedarfe von morgen frühzeitig und können unsere Kunden in diesen Zeiten der rasanten Urbanisierung mit passgenauen Komponenten versorgen. Unsere erfahrenen Industriemanager beraten Anlagenbetreiber weltweit zum Thema Sicherheit bei der Energieproduktion und unterstützen sie bei der Auswahl geeigneter Lösungen zur Einhaltung der funktionalen Sicherheit nach EN 61508. Im Detail